Gebäudetypen
Energieausweis für Gaststätte, Landgasthof und Café in Niedersachsen: Was zählt zum Gebäude, was zum Herd?

Eine Gaststätte, ein Landgasthof oder ein Café braucht einen Energieausweis, sobald das Gebäude verkauft, neu vermietet, verpachtet oder verleast wird. Der Bedarfsausweis rechnet Heizung, Lüftung, Warmwasser und Beleuchtung, nicht das Kochen und Kühlen der Ware. Ab dem 1. Januar 2027 gilt für Nichtwohngebäude nur noch der Bedarfsausweis, und auch eine Pachtverlängerung löst die Vorlagepflicht aus.
Wann braucht eine Gaststätte überhaupt einen Energieausweis?
Immer dann, wenn das Gebäude verkauft, vermietet, verpachtet oder verleast wird. So steht es in § 80 GModG. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) verlangt die Vorlage spätestens bei der Besichtigung durch den Interessenten und die Übergabe nach Vertragsschluss.
Wer den Betrieb weiterführt, ohne dass sich vertraglich etwas ändert, bleibt außen vor. In der Gastronomie kommt der Anlass allerdings oft: Pächter wechseln, Wirtshäuser werden verkauft, Altersnachfolge steht an. Ab 01.01.2027 reicht auch die Verlängerung eines Pachtvertrags.
Fehlt der Ausweis, drohen nach § 108 GModG bis zu 10.000 €, bei Nichtvorlage bei der Besichtigung oder Nichtübergabe bis zu 5.000 €. Einen Überblick gibt der Ratgeber Energieausweis-Pflicht für Nichtwohngebäude.
Was zählt in der Küche zum Gebäude, was zum Herd?
Zum Gebäude zählen Heizung, Warmwasser, Lüftung, Klimatisierung und fest eingebaute Beleuchtung. Das Kochen, Backen und Kühlen der Ware sowie das Spülen als Betriebsprozess sind Prozessenergie und gehen nicht in den Bedarfsausweis ein.
Das klingt nach einer Fußnote, ist aber der Grund, warum ein Ausweis auf Verbrauchsbasis für eine Küche wenig sagt. Die Gasrechnung eines Wirtshauses besteht zu einem großen Teil aus Herd und Fritteuse. Wie gut das Haus gedämmt ist, steht dort nicht drin.
Grenzfälle klären wir mit Ihnen:
- Dunstabzug und Abluft: Die Lüftungsanlage der Küche gehört zur Anlagentechnik, auch wenn die Wärme vom Kochen stammt.
- Warmwasser: Die zentrale Warmwasserbereitung zählt, die Spülmaschine selbst nicht.
- Kühlräume: Die Kältetechnik für die Ware zählt nicht, die Hülle des Kühlraums im Gebäude wird dennoch erfasst.
Wie wird ein Gasthof mit Saal in Zonen aufgeteilt?
Nach DIN V 18599 teilt die Berechnung das Haus in Nutzungszonen mit eigenen Randbedingungen. Bei einem Gasthof mit Saal sind das typischerweise Gastraum und Saal, Küche, Lager und Kühlräume sowie Nebenräume. Der Festpreis von 899 € enthält bis zu vier Nutzungszonen.
Wo das Haus mehr Bereiche hat, fassen wir sinnvoll zusammen oder nennen Ihnen in der Vorprüfung vorab einen verbindlichen Festpreis. Die Tabelle zeigt die Aufteilung für einen typischen Landgasthof:
| Zone | Typische Räume | Besonderheit |
|---|---|---|
| Gastbereich | Gaststube, Saal, Thekenraum | beheizt, wechselnde Belegung (Hochzeiten, Feiern) |
| Küche | Kochbereich, Spülküche | Prozessenergie bleibt draußen, Raumklima und Abluft zählen |
| Lager und Kühlung | Trockenlager, Getränkelager, Kühlräume | unbeheizt oder gekühlt, Kältetechnik als Prozess |
| Nebenräume | Sanitär, Personal, Büro | beheizt, kleine Flächen |
Unterlagen dafür sind ein Grundriss mit Nutzungen, Fotos der Heizung und der Lüftungsanlage und die Angabe, wie die Räume beheizt werden. Mehr zur Methode im Ratgeber Zonierung bei Nichtwohngebäuden.
Welche Rolle spielen Terrasse, Wintergarten und Biergarten?
Fest verglaste, dauerhaft beheizte Wintergärten sind Teil der Gebäudehülle und gehören in die Bilanz. Offene Terrassen mit mobilen Heizstrahlern sind es nicht. Entscheidend ist die Bauart, nicht der Name.
Gerade im Norden sind verglaste Anbauten beliebt, weil sie die Saison verlängern. Ein Wintergarten mit eigener Heizung, der von März bis November genutzt wird, ist ein Gebäudeteil und wird berechnet. Die überdachte Fläche mit Pavillondach und Heizpilzen ist es nicht. Schicken Sie uns dazu ein Foto und eine kurze Angabe zur Heizung.
Anders ist es bei reinen Saisongebäuden. Das Gesetz kennt eine Ausnahme für Betriebsgebäude, die jährlich weniger als vier Monate beheizt und weniger als zwei Monate gekühlt werden. Ganzjährig geöffnete Betriebe fallen nicht darunter.
Was bedeutet Niedersachsen für die Gastronomie, wirtschaftlich und baulich?
Niedersachsen ist ein Land der Landgasthöfe, der Küstenorte und der Messe- und Hafenstädte. Das prägt die Gebäude: gewachsene Wirtshäuser mit Anbauten, Restaurants in Backsteinkontoren der Hafenstädte, Kantinen und Betriebsrestaurants in Industriestandorten.
Drei Typen begegnen uns häufig:
- Landgasthof mit Saal. Im Oldenburger Münsterland und im Emsland sind Gasthöfe mit Saalbetrieb für Feiern verbreitet. Über Jahrzehnte entstanden Anbauten: Küche in den 1980ern, Saal in den 1990ern, Wintergarten später. Der Ausweis rechnet jedes Bauteil mit seinem Alter und seiner Technik.
- Fischrestaurant und Hafengastronomie. In Cuxhaven, Emden und Wilhelmshaven sitzen Betriebe oft in Gebäuden mit Hafenbezug, teils mit Kühlanlagen für Fisch. Die Kältetechnik für die Ware bleibt als Prozessenergie außen vor. Die Küstenlage verändert die Rechenregeln nicht: Die Berechnung nutzt ein einheitliches Referenzklima (Potsdam), sodass der Ausweis eines Strandrestaurants mit dem eines Lokals in Göttingen vergleichbar bleibt.
- Betriebsrestaurant und Kantine. Rund um Wolfsburg, Salzgitter und Braunschweig arbeiten Kantinen mit großen Küchen und festen Essenszeiten. Als Teil eines größeren Gewerbegebäudes sind sie eine Zone im Gesamtausweis, kein eigenes Gebäude.
Auch Hannover als Messe- und Verwaltungsstandort lebt von Gastronomie: Cafés in Bürohäusern, Restaurants in Messenähe und Hotels mit eigenem Restaurant. Für Hotels mit Zimmern gelten andere Zonen, dazu gibt es einen eigenen Ratgeber: Hotel und Pension.
Landesrecht ändert am Ausweis nichts; die Niedersächsische Bauordnung regelt Brandschutz und Stellplätze, nicht die Energieausweispflicht. Förderwege nennt der Ratgeber Landesförderung.
Was gilt, wenn über dem Lokal Gästezimmer oder Wohnungen liegen?
Dann liegt ein gemischt genutztes Gebäude vor. Bis 31.12.2026 ist der Nichtwohnanteil bei Erheblichkeit vom Wohnteil zu trennen, es entstehen zwei Ausweise. Wir bieten sie bis Jahresende als Paket für 899 € an statt 1.298 € einzeln.
Ab 01.01.2027 wird das Haus in einem einzigen Bedarfsausweis mit Zonen berechnet. Das Gesetz knüpft dann an „nicht unerhebliche Teile” der Nutzfläche an. Der Wirt mit Wohnung im Obergeschoss, das Café mit zwei Mietwohnungen oben: beides sind typische Konstellationen in den Kleinstädten Niedersachsens, vom Heidedorf bis zur Hafenstadt. Mehr dazu auf der Seite Bedarfsausweis Mischgebäude.
Was ändert sich für Gaststätten zum 1. Januar 2027?
Ab dem 1. Januar 2027 gilt für Nichtwohngebäude nur noch der Bedarfsausweis, die Vorlagepflicht erfasst auch Vertragsverlängerungen, und es gibt erstmals Effizienzklassen von A bis G. Bis 31.12.2026 haben Nichtwohngebäude keine Klasse.
Wichtig für Eigentümer: Ausweise, die 2026 ausgestellt werden, gelten zehn Jahre, ohne Austauschpflicht und ohne Umrechnung auf A bis G.
| Frage | Bis 31.12.2026 | Ab 01.01.2027 |
|---|---|---|
| Wahl der Ausweisart bei Gewerbe | Bedarf oder Verbrauch | nur Bedarf |
| Klasse im Ausweis | keine | A bis G |
| Klasse A | nicht vorhanden | nur für Nullemissionsgebäude |
| Verlängerung Pachtvertrag | kein Anlass | Vorlage nötig |
| Berechnungsnorm | DIN V 18599:2018-09 | DIN/TS 18599:2025-10 |
Die Klasse bemisst sich am Verhältnis zum Referenzgebäude, einem rechnerischen Zwilling Ihres Hauses mit normierter Hülle und Technik. Ein Gasthof mit Gasheizung kann Klasse A nicht erreichen, weil sie nur für Nullemissionsgebäude ohne fossile Emissionen am Standort vorgesehen ist. Wo Ihr Haus beim Energiebedarf voraussichtlich liegt, zeigt die kostenlose Vorprüfung. Hintergründe: Energieausweis-Pflicht ab 2027 und Referenzgebäude.
Eine Sanierungspflicht entsteht durch den Ausweis nicht. Für bestimmte bestehende Nichtwohngebäude gelten nach § 40 GModG ab 2030 beziehungsweise 2033 Renovierungsanforderungen, mit mehreren Ausnahmen. Ob Ihr Haus betroffen ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Den Rahmen beschreibt der Ratgeber Mindeststandards für Nichtwohngebäude.
Wer kümmert sich bei einem Pächterwechsel um den Ausweis?
Der Eigentümer, der verpachtet. Er muss dem Pachtinteressenten den Ausweis spätestens bei der Besichtigung vorlegen und nach Vertragsschluss übergeben. Der Pächter ist dafür nicht verantwortlich, kann sich aber vertraglich zur Beschaffung verpflichten.
Gerade bei Gaststätten, die über Jahre in Familienhand lagen, ist das ein Stolperstein: Der Betrieb lief, der Ausweis wurde nie gebraucht, und mit der Anzeige der Neuverpachtung steht plötzlich eine Pflichtangabe im Raum. Die Anzeige in Portalen oder in der Zeitung muss bei vorhandenem Ausweis bestimmte Angaben enthalten, bei Nichtwohngebäuden unter anderem Ausweisart, den Endenergiewert getrennt nach Wärme und Strom sowie die wesentlichen Energieträger. Wer den Ausweis früh beauftragt, hat diese Werte rechtzeitig zur Hand.
Planen Sie deshalb den Ausweis ein, bevor das Inserat online geht. Mit vollständigen Unterlagen liefern wir innerhalb von 24 Stunden.
Welche Fehler sehen wir bei Ausweisen für Lokale am häufigsten?
Am häufigsten wird Prozessenergie mit Gebäudeenergie vermischt, und gewachsene Anbauten werden vergessen. Beides verfälscht den Ausweis in beide Richtungen.
- Küche als Heizlast gerechnet. Wer die Gasrechnung des Betriebs eins zu eins als Heizenergie ansetzt, schätzt das Haus schlechter ein, als es ist.
- Anbauten fehlen. Der Saal aus den 1990ern, der Wintergarten oder das Lager im Hof haben jeweils eigene Bauteile und eigene Technik. Wer sie weglässt, rechnet ein anderes Gebäude.
- Betriebszeiten nicht passend. Ein Landgasthof mit Ruhetag und Saisonspitzen hat ein anderes Nutzungsprofil als ein Café mit täglichem Frühstück.
- Heizung geschätzt. Das Typenschild des Kessels mit Baujahr und Leistung ist die verlässlichste Angabe, und ein Handyfoto genügt.
Was bringt der Ausweis dem Wirt über die Pflicht hinaus?
Er benennt die Stellen, an denen das Haus Wärme verliert, und gibt Modernisierungsempfehlungen. Bei Gaststätten sind das meist die Lüftung, die Heizung und die Hülle der älteren Gebäudeteile.
Gerade die Küchenabluft ist ein Hebel: Eine Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung bläst die beheizte Raumluft ungenutzt ins Freie. Auch die Beleuchtung im Gastraum, die Regelung der Heizung für selten genutzte Säle und die Dämmung des Daches über dem Anbau tauchen in Empfehlungen häufig auf. Welche Maßnahmen für Ihr Haus passen, steht nach der Berechnung konkret im Ausweis. Ob eine Förderung passt, ist Einzelfallprüfung; Beträge nennen wir hier bewusst nicht.
Was kostet der Ausweis für ein Lokal, und wie läuft es ab?
Der Bedarfsausweis kostet 899 € Festpreis (Endpreis, Kleinunternehmer nach § 19 UStG), inklusive bis zu vier Nutzungszonen, Modernisierungsempfehlungen und DIBt-Registriernummer. Wir liefern innerhalb von 24 Stunden nach vollständigen Unterlagen; er gilt zehn Jahre.
So läuft es ab:
- Kostenlose Vorprüfung: Sie schildern das Haus, wir sagen, wo es beim Energiebedarf voraussichtlich liegt und was wir noch brauchen.
- Unterlagen: Grundriss, Fotos von Heizung, Lüftung und Abluft, Angaben zu Terrasse und Anbauten.
- Berechnung: Wir bilden die Zonen, rechnen nach DIN V 18599 und ordnen die Küche sauber in Gebäude- und Prozessenergie.
- Lieferung: Sie erhalten das fertige, DIBt-registrierte PDF.
Alles läuft über Telefon, E-Mail und Fotos, ohne Vor-Ort-Termin; es gilt eine Geld-zurück-Garantie. Eine Liste der Unterlagen finden Sie unter Checkliste Unterlagen.
Der nächste Schritt ist kurz: Kostenlose Vorprüfung starten oder vorab den Rechner nutzen. Fragen beantworten wir telefonisch unter 0152 060 777 67 (auch WhatsApp).
Häufige Fragen
Muss ich als Pächter einer Gaststätte einen Energieausweis besorgen?
Die Vorlage- und Übergabepflicht liegt bei Verkäufer und Vermieter beziehungsweise Verpächter, also beim Gebäudeeigentümer. Als Pächter lassen Sie sich den Ausweis zeigen, bevor Sie unterschreiben. Wer vertraglich die Beschaffung übernimmt, sollte das im Pachtvertrag klar regeln.
Brauche ich einen Ausweis für einen Imbiss im Gewerbegebiet mit 30 Quadratmetern?
Das hängt vom Gebäude ab. Ein freistehender kleiner Bau fällt unter die Ausnahme für kleine Gebäude: bis 31.12.2026 bis höchstens 50 m² Nutzfläche, ab 01.01.2027 weniger als 50 m². Ein Imbiss in einem größeren Gebäude ist davon nicht erfasst.
Wird der Gasherd im Ausweis als fossiler Energieträger gewertet?
Nein, wenn er zum Kochen dient. Das ist Prozessenergie und zählt nicht zur Gebäudebilanz. Anders ist es, wenn dieselbe Gasanlage das Haus heizt oder das Warmwasser erzeugt, dann geht sie in die Berechnung ein.
Ich vermiete über dem Lokal Gästezimmer. Ist das ein Hotel?
Das ist eine Frage der Nutzung und der Größenverhältnisse. Gästezimmer sind eine eigene Zone mit anderen Betriebszeiten. Die kostenlose Vorprüfung ordnet Ihr Haus ein, bei Dauerwohnungen darüber kann zusätzlich ein Mischgebäude vorliegen.
Kann ein Ausweis ohne Termin in meiner Küche erstellt werden?
Ja. Wir arbeiten mit Grundriss, Fotos der Anlagentechnik und Ihren Angaben. Ein Vor-Ort-Termin findet nicht statt. Wenn etwas unklar bleibt, rufen wir an.
Was ist, wenn mein Ausweis schon neun Jahre alt ist?
Er gilt zehn Jahre ab Ausstellung. Steht in den nächsten Monaten ein Verkauf oder eine Neuverpachtung an, sollte die Restlaufzeit für die Vertragsverhandlung reichen, sonst ist ein neuer Ausweis sinnvoll.
Quellen
Stephan GrosserGründer & Geschäftsführer, Immobilienexperte seit über 18 Jahren. Wir erstellen seit 2018 Energieausweise für Gewerbe, Praxen, Hallen und Wohngebäude, jeden mit DIBt-Registriernummer.